



(lop) Busreiseveranstalter und Reisebüros sollen enger zusammen arbeiten. Zu beiderseitigem Nutzen und mit möglichst wenigen Zusatzkosten, um den Vertrieb von Busreisen im Sinne einer "Win-Win-Situation" für Veranstalter und Mittler zu intensivieren. So der übereinstimmende Wunsch der Diskutanten auf dem 32. Tag der Bustouristik, der heute im Europa-Park in Rust stattfand.
Ob man über diesen -schon oft geäußerten - frommen Wunsch allerdings diesmal hinauskommt, wird die Praxis zeigen. Denn die spricht eine deutliche Sprache: "Höchstens ein Viertel der Busreisen wird über nicht hauseigene Vertriebswege gebucht", nahm RDA- und IBV-Präsident Richard Eberhardt als praktizierender Busreiseveranstalter eine realistische Bestandsaufnahme vor. Aber das muss nicht für alle Zukunft so sein.
Reisebüros unter Druck
Dieter Gauf, Spiritus Rector des Tag der Bustouristik, hat das Thema nicht zum ersten Mal aufs Panier gehoben. Jetzt allerdings unter neuen Vorzeichen. Denn die Situation der Reisebüros in Deutschland hat sich dramatisch verschärft. "Die vorhandenen 9.250 Reiseagenturen sollen nach dem Willen der Großveranstalter deutlich weniger werden", so Jürgen Büchy, Präsident des Deutschen ReisebüroVerbands DRV. Die TUI wolle mit "nur noch 7000 Reisebüros mehr Geschäft generieren". Büchy: "Was tun die übrig gebliebenen Agenturen"? Umsatzbringer sind gesucht, in Zukunft noch mehr als heute. Da biete sich die Busreise geradezu an. Wenn - ja wenn sie im Reisebüro beim Kundengespräch auch buchbar wäre, "und zwar flächendeckend", so die Forderung.
Investitionen für Zukunft
Um das Segment Busreise im Reisebüro wachsen lassen zu können, müssen Busreiseveranstalter investieren, so die übereinstimmende Meinung. Zum einen in eine flächendeckende Buchbarkeit per Internet. "Bald wird es kein Offline ohne Online mehr geben", ist sich Paul Royer, Präsident der französischen Busreisveranstalter FNTV, Sektion Elsass, auch für den Gruppenbereich sicher. Will sagen: Ohne Internet-Buchbarkeit keine Kunden mehr.
Und zum anderen auf der persönlichen Ebene im Kontakt zu den Reisebüro-Expedienten. Denn immer noch gilt: "Wir reden zu wenig miteinander", wie Busreiseveranstalter Oliver Gröpper, Geschäftsführer Neubauer Reisen in Schleswig Holstein, befand. Inforeisen für Expedienten werden gewünscht, Kennenlernaktionen jeglicher Art, " gerne auch mal mit dem Bus vorbeikommen" - die Bandbreite ist groß. Doch für manchen ist das zu kostspielig: Mathias Hirsch zum Beispiel, Geschäftsführer von Hirsch Reisen in Karlsruhe, argumentiert: "Bis alles Früchte trägt, muss sehr viel investiert werden." Für Willi Müller, Geschäftsführer Schmetterling Reisen, allerdings nur in Bereiche, wie z.B Buchbarkeit auf der eigenen Website, in die ohnehin investiert werden müsse. Dann könne bereits Zusatzgeschäft getätigt werden. "Nur um dieses Zusatzgeschäft geht es. Niemand will den eigenen Direktvertrieb der Busunternehmer beschneiden, der kann ruhig beibehalten werden." Er gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, "dass der Eigenvertrieb bei genauem Rechnen mehr kostet als der Fremdvertrieb." Jens Totschnig, Vertrieb Autostadt, bekräftigte, dass "Mehrgeschäft letztlich nur in der Kundenerweiterung" liege.