

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat zur Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in Bremen ein Leistungskostengutachten erstellt, das erstmals einen detaillierten Überblick über den Finanzierungsbedarf im ÖPNV bis 2040 gibt – und aufzeigt, wie anhand zweier Szenarien die Leistungsfähigkeit des Nahverkehrs in Bremen und in Bremerhaven gesichert und weiterentwickelt werden kann.
Das unabhängige Gutachten analysiert die Kostenentwicklung des ÖPNV bundesweit sowie differenziert nach allen 16 Bundesländern bis 2040. Im Szenario „Modernisierung 2040“ liegt der Fokus auf dem Substanzerhalt und der Qualitätssicherung. Vorgesehen ist hierfür die umfassende Modernisierung von Infrastrukturen und Fahrzeugen. Konkret bedeute dies für das Land Bremen, dass das heutige Leistungsniveau gesichert würde, die Sanierungsstaus bei Infrastruktur, Fahrzeugen und Betriebshöfen würde vollständig abgebaut, gleichzeitig würde das Angebot um rund drei Prozent steigen. Die Fahrgastnachfrage könnte laut Gutachten um neun Prozent zulegen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine deutliche Ausweitung der öffentlichen Mittel: Der jährliche Finanzierungsbedarf würde sich von derzeit rund 250 Millionen Euro auf etwa 500 Millionen Euro im Jahr 2040 verdoppeln.
Deutlich ambitionierter ist das Szenario „Deutschlandangebot 2040“, das eine flächendeckende Angebotsausweitung vorsieht. Kernpunkte sind eine Taktverdichtung insbesondere in den Stadtrandgebieten sowie eine bessere Verknüpfung von Bus, Tram und Schienenpersonennahverkehr. Das Angebot an Sitzplatzkilometern würde um 44 Prozent steigen, die Nachfrage um 24 Prozent. Gleichzeitig verbessert sich die durchschnittliche Güteklasse des ÖPNV in Bremen von derzeit Note 2,5 auf 1,5. Der jährliche Finanzierungsbedarf läge in diesem Szenario bei rund 740 Millionen Euro bis 2040.
Branche fordert verlässliche Entscheidungen
Für die Verkehrsunternehmen in der Region liefert das Gutachten eine klare Botschaft: Ohne zusätzliche und langfristig gesicherte Finanzierung sind weder Angebotsausbau noch Qualitätssicherung möglich. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für entschlossenes Handeln, denn die Menschen in Bremen erwarten auch künftig einen verlässlichen und modernen Nahverkehr als Teil der Daseinsvorsorge“, betont Claudia Wiest, kaufmännische Vorständin der Bremer Straßenbahn AG. Investitionen in Fahrzeuge, Angebot und digitale Infrastruktur zahlten sich aus – für Fahrgäste ebenso wie für den Wirtschaftsstandort.
Auch aus Sicht des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen wächst der Handlungsdruck. „Die Metropolregion rund um Bremen entwickelt sich weiter – und mit ihr der Bedarf an einem eng getakteten, gut vernetzten Nahverkehr“, sagt Geschäftsführer Rainer Counen. Das im Gutachten skizzierte Deutschlandangebot sei kein theoretisches Zukunftsbild, sondern ein realisierbarer Plan für Stadt und Umland.
Warnung vor Finanzierungslücken
Trotz der guten Ausgangslage mahnt der VDV zur Eile. Bremen liegt mit seinem heutigen ÖPNV-Angebot bundesweit bereits im Spitzenfeld. „Doch auch hier gilt: Ohne zusätzliche Finanzierung ist kein Fortschritt mehr möglich“, warnt Alexander Möller, Geschäftsführer ÖPNV beim VDV. Im Gegenteil drohten bei weiter wachsenden Finanzierungslücken Angebotskürzungen – mit unmittelbaren Folgen für Verkehrsunternehmen, Beschäftigte und Fahrgäste.
Das ÖPNV-Gutachten für Bremen gibt es zum Download unter:
https://www.bewegt-uns-alle.de
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