

Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg hat zum fünften Mal den Baden-Württemberg-Index ÖPNV Straße veröffentlicht. Der Index für das Jahr 2025 zeigt, dass die Kosten im Busverkehr weiterhin steigen, allerdings weniger stark als in den Vorjahren. Insgesamt ergibt sich auf Basis einer Modellrechnung ein Kostenanstieg von rund 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der jährlich erhobene Index bildet die zentralen Kostenentwicklungen im Busverkehr ab – darunter Personal, Kapitalkosten, Instandhaltung, Treibstoff beziehungsweise Energie sowie sonstige Kosten. Er dient als Grundlage für die automatische Anpassung von Vergütungen in langfristigen Verkehrsverträgen und soll so eine verlässliche Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sichern.
Gerade bei Verträgen mit Laufzeiten von bis zu zehn Jahren sei ein solcher Mechanismus unerlässlich, um auf dynamische Kostenentwicklungen reagieren zu können. Der Index koppelt die Vergütung transparent an die tatsächliche Kostenentwicklung und reduziert damit das Risiko wirtschaftlicher Schieflagen während der Vertragslaufzeit. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des ÖPNV-Angebots in Baden-Württemberg.
Auch im aktuellen Index zeigt sich, dass insbesondere die Personalkosten weiterhin der größte Kostentreiber sind. Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent. Dagegen entwickelten sich die Energiepreise rückläufig. Demnach sanken die Kosten für Diesel um 1,5 Prozent, die Stromkosten um 0,9 Prozent. Allerdings weist das Ministerium darauf hin, dass sich der jüngste Anstieg der Dieselpreise erst im nächsten Index niederschlagen dürfte. Die übrigen Kostenfaktoren bewegten sich mit Steigerungen zwischen einem und zweieinhalb Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr.
Die Entwicklung ist zwar moderater, ein wesentliches Problem bleibt jedoch bestehen. Bei starken Kostenanstiegen kann die zeitliche Lücke zwischen dem Entstehen der Kosten und ihrem Ausgleich – also der finanzielle Nachlauf für die Unternehmen – zu Liquiditätsproblemen führen. Aktuell zeigt sich das besonders deutlich bei den Dieselpreisen: Diese haben in kurzer Zeit ein Rekordniveau erreicht und den bisherigen Höchststand aus dem Krisenjahr 2022 übertroffen. Diesel macht etwa 20 Prozent der Gesamtkosten im Verkehr aus, wird täglich benötigt und unmittelbar bezahlt. Preissteigerungen wirken sich daher sofort aus.
In solchen Fällen müssen Busunternehmen die gestiegenen Ausgaben zunächst vorfinanzieren, bis die Anpassung über den Index greift. Ohne zusätzliche Mechanismen kann dies zu erheblichen Liquiditätsproblemen führen. Yvonne Hüneburg, Geschäftsführerin des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) fordert daher Abschlagszahlungen – unterjährige Anpassungen der Vergütung, die sich an der aktuellen Kostenentwicklung orientieren und als eine Art „Liquiditätspuffer in Echtzeit“ wirken.
Hüneburg warnt eindringlich vor den Folgen fehlender Flexibilität: „Bei massiven Kostensteigerungen entscheidet nicht der Index, sondern die Abschlagszahlung über die Liquidität der Unternehmen. Ohne unterjährige Anpassung werden Verkehrsunternehmen gezwungen, Kostenexplosionen vorzufinanzieren – das ist wirtschaftlich auf längere Sicht nicht tragfähig und gefährdet den öffentlichen Verkehr im Land.“
Foto: markusmarcinek/pixabay.com
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